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Koscher für Pessach


Die Silhouette des Rabbiners zeichnete sich deutlich vom Hellbraun der ausgedörrten afrikanischen Steppe ab.

Die alte Afrikanerin hatte nicht nachgegeben. „Bitte treffen Sie mich morgen hier. Ich muss Ihnen etwas Wichtiges zeigen.“

Bald fuhr ein alter weißer Kombi vor. „Kommen Sie, wir haben etwa fünfundzwanzig Minuten zu fahren.“ Intuitiv beschloss der Rabbiner, ihr zu folgen.

Das Auto rumpelte über die löchrige Straße. Die glühend heiße Sonne spiegelte sich im Chrom der Karosserie aus den 30er-Jahren. Am Stadtrand befand sich der Friedhof.

„Hier ist mein Mann begraben“, flüsterte die Frau, und Tränen liefen an ihren Wangen hinab. „Es würde ihm gefallen, dass ein Rabbiner ihn besucht.“

Der Rabbiner starrte das Grab und den ungewöhnlichen Grabstein an. Auf dem Stein, über dem Namen des Mannes, waren die hebräischen Worte Koscher l‘Pessach (Koscher für Pessach) eingraviert.

Noch seltsamer war, dass die Worte auf dem Kopf standen.

Die Frau erklärte, ihr Mann sei als junger Bursche nach Namibia gegangen. Er habe hart gearbeitet, geheiratet, sein ganzes Leben mit ihr verbracht und über seine Kindheit in London geschwiegen.

Er hatte auch nie erwähnt, dass er Jude war, und nie über Religion gesprochen.

Erst auf dem Sterbebett nahm er all seine Kraft zusammen und gestand ihr, dass er Jude war.

Er wollte, dass die Leute sich an ihn als Jude erinnerten. Er hatte etwas aufbewahrt, was er irgendwann bekommen hatte und was ihm eine gewisse jüdische Identität bewahrt hatte.

Es war eine Schachtel mit Koscher-für-Pessach-Mazzot.

„Bitte schreibt das auf meinen Grabstein“, hatte er gesagt. Das waren seine letzten Worte gewesen.

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von Chaim Drizin
Chaim Drizin lebt in Brooklyn, New York, und hält Tora- und Chassidutvorträge im Großraum New York.

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