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KommentarKommentar

Selbstaufopferung für die Tora


Rabbi Menachem Mendel von Lubawitsch (der "Zemach Zedek" genannt), dessen Jahrzeit auf den 13. Nissan fällt, war in jungen Jahren verwaist und verbrachte den größten Teil seiner Kindheit im Hause und unter der Aufsicht seines hochbedeutenden Großvaters, des Begründers der Lubawitsch-Dynastie, Rabbi Schneur Salman von Liadi ("Der Alte Rebbe" genannt).

Viele der Erklärungen und Predigten, die der Alte Rebbe häufig gab, waren für alle Chassidim zugänglich, für jeden, der kommen und zuhören wollte. Dagegen gab es auch Zeiten, zu denen der Alte Rebbe nur einige seiner größten Anhänger in sein Privatzimmer lud – und zwar nur solche, die von großem lntellekt und Charakter waren –, um sie tiefgründige chassidische Weisheiten zu lehren. Bei solchen Anlässen wurde der junge Mendel (damals 8 - 9 Jahre alt) nicht in das Zimmer hereingelassen – was ihn sehr betrübte, denn er wollte unbedingt jedes Tora-Wort hören, das von den Lippen seines verehrten Großvaters fiel. Obwohl er wusste, dass viele der Gedanken seines Großvaters weit über seinen eigenen Horizont hinausgingen, hoffte er doch wenigstens ein paar Worte aufzunehmen, deren Bedeutung er verstand.

Eines Tages dachte er sich einen Plan aus: Er würde sich in einem großen Ofen verstecken, dessen Wand sich an die Wand des Zimmers des Alten Rebbe anschloss, und dessen Türe sich in das anschließende Zimmer öffnete! Die Ohren gegen die Ofenwand gepresst, würde er vielleicht einige Worte seines Großvaters aufschnappen! Und so kroch das nächste Mal, da eine "Privatbelehrung" stattfand, der Junge durch die Ofentüre im Nebenzimmer; und, tief im Ofen versteckt, presste er sein Ohr gegen die Wand und hörte sich atemlos die kostbaren Worte seines bedeutenden Großvaters an.

Inzwischen jedoch kam der Pförtner – dessen Aufgabe es war, die Öfen an kälteren Tagen zu heizen – zu dem Schlusse, dass das Wetter an jenem Tage die Heizung notwendig machte. Er begann, Holzstücke in dem Ofen anzuhäufen, in dem das Kind hinten lag. Der junge Bursche (und zukünftige Rebbe) war aber so sehr auf die Belehrung im Nebenzimmer konzentriert, dass er überhaupt nicht merkte, wie Holz in dem Ofen angehäuft wurde.

Und als nun genug Holz im Ofen war, zündete der Pförtner es an. Aber – der junge Mendel versperrte den Kaminabzug, es kam nicht genügend Luft heran, und statt in helle Flammen auszubrechen, gab der Haufen Holz nur eine Wolke dicken Rauches von sich. Der Pförtner versuchte dann, die Masse schwelenden Holzes tiefer in den Ofen hineinzuschieben, doch er bemerkte, dass dem ein Hindernis im Wege stand. So nahm er das Holz Stück für Stück wieder heraus, und schließlich entdeckte er den Körper des kleinen Menachem Mendel, der da im Ofen lag, durch den Rauch und die Gase inzwischen bewusstlos geworden. Schnell zog er ihn aus dem Ofen, und mit einiger Schwierigkeit gelang es ihm, ihn wiederzubeleben.

Später machte die Großmutter des Jungen, die Frau des Alten Rebbe, ihrem Manne Vorwürfe: "Andere lässt du herein, um deinen Ausführungen zuzuhören; aber dein eigener Enkel musste solche verzweifelten Mittel anwenden, um deiner Tora zuhören zu können. Sieh, was ihm, beinahe zugestoßen wäre!"

Der Alte Rebbe erwiderte jedoch, dass dies der einzig rechte Weg zu jüdischer Erziehung sei. Wörtlich: "M’darf hob’n Messiras Nefesch oif Toire" – um Tora zu lernen und in sich aufzunehmen, ist Selbstaufopferung erforderlich.

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KommentarKommentar

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"

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