HOME | SPENDEN | FRAG DEN RABBI | KONTAKT
 
Jüdische.Info - Tora, Judentum und jüdische Info Feiertage
Jüdische.Info » Feiertage » Pessach » Betrachtungen » Freiheit als Gewissheit
  Einführung   Anleitung   Der Seder   Einblicke   Betrachtungen   Leichte Kost   Audio
DruckenDiese Seite an einen Freund schickendies teilen
KommentarKommentar

Freiheit als Gewissheit


Dem Midrasch (Schmot Rabba 15, 12) zufolge setzte G-tt den Nissan als "Monat der Erlösung" fest. Nissan wurde als erster Monat des jüdischen Kalenders bestimmt; und er ist "Monat der Erlösung" in steter Erinnerung an die Befreiung Israels aus Ägypten, die in diesem Frühlingsmonat zum Ereignis wurde. Wann genau wurde ihm diese Bestimmung verliehen? Die überraschende Antwort lautet: Als Israel noch in Ägypten war! Es war damals, dass G-tt erklärte (Exodus 12, 2): "Dieser soll euch der erste aller Monate des Jahres sein."

Es erscheint fast unverständlich, dass für die Israeliten der Nissan der "Monat der Erlösung" sein sollte, während sie noch in Ägypten waren. Noch lebten sie im bittersten Exil, unter dem Joche eines so gewaltsamen Regimes, dass das bloße hebräische Wort "Mizrajim" (Ägypten) etymologisch schon auf das Wort für "Bedrängung" verweist. Wie unsere Weisen es ausdrücken (Bereschit Rabba 16, 5): "Alle gewaltsamen Regierungssysteme haben den Namen 'Mizrajim', weil sie Israel unterdrücken." Mit dieser Benennung wird unser erstes und schlimmstes Exil Ägypten stets im Gedächtnis behalten.

Am 1. Nissan des Jahres 2448 nach der Erschaffung der Welt, als den Israeliten vorgeschrieben wurde, diesen Monat als "Monat der Erlösung" zu bestimmen, lebten sie also noch unter den elendesten Bedingungen: Nicht einem einzigen Sklaven war es jemals gelungen, aus Ägypten zu entkommen (Jalkut Schimoni, Nr. 269). Gerade damals weigerten sich Pharao und seine Beamten noch immer kategorisch, die Juden ausziehen zu lassen, ungeachtet all der Verwüstungen, welche die Plagen angerichtet hatten.

Diese hartnäckige Weigerung beruhte auf Pharaos absolutem Vertrauen auf Ägyptens Sicherheitsmassnahmen, ein Vertrauen, das seinen guten Grund hatte, denn bis zum Augenblick des Auszuges der Israeliten war Ägypten ein außergewöhnlich starkes und daher "versiegeltes" Land. Und in einer scheinbar so aussichtslosen Situation wurde Israel aufgefordert, diesen Zeitpunkt als "Monat der Erlösung" anzusehen!

Die Erklärung für all dies ist im Grunde eine ganz einfache: In dem Augenblick, da Moses, als ihr Führer und als G-ttes "Botschafter", ihnen die Befreiung als gewiss bevorstehend in Aussicht stellt und ihnen sagt, dass ihr Auszug in der Tat sein wird (Exodus 10, 9), "mit unseren Jungen und mit unseren Alten, mit unseren Söhnen und mit unseren Töchtern", kommt eine solche Verkündigung einer völligen Umformung von Haltungen, Einstellungen und Meinungen derer gleich, die diese Botschaft erhalten. Und im Gefolge dieser "ideellen" Umformung wird auch dieser Monat in einen "Monat der Erlösung" verwandelt. Dies ist klar aus einem darauf folgenden Tora-Vers zu entnehmen (Exodus 12, 28, und s. Raschi z.St.): "Die Kinder Israel gingen hin und taten, was G-tt ihnen befohlen hatte." Sie taten es noch am gleichen Tage, also am Rosch Chodesch Nissan – wie sich aus dem Zusammenhang sofort ergibt. Am gleichen Tage, obwohl die Vorschrift (des Pessach-Lammes) erst zehn Tage später auszuführen sein wird und sich dann bis zum 15. Nissan hinziehen wird, dem Tage des tatsächlichen Auszuges!

Aber Israels Vertrauen auf die Wirklichkeit jenes bevorstehenden Auszuges, also auf G-ttes Versprechen an Moses, war so unerschütterlich, dass es für sie so war, als hätte die Erlösung zu diesem Zeitpunkt bereits stattgefunden.

Die Geschichte wiederholt sich. Wieder befinden wir uns in einem dunklen "Ägypten", einem düsteren spirituellen Exil. Die Tora aber verspricht (Maimonides, "Jad", Hilchot Tschuwa 7, 5, aufgrund von Deut. 30, 1-3): "Israel wird Reue zeigen, und alsbald wird es erlöst werden." Dies ist uns Versicherung: Sobald wir zum Ewigen zurückkehren, wird Er einen neuen "Auszug" in die Wege leiten.

DruckenDiese Seite an einen Freund schickendies teilen
KommentarKommentar

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"

Die Rechte am Inhalt dieser Seite liegen beim Autor, Verleger und/oder Chabad.org und werden von unserem Content-Partner, Chabad.org produziert. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie ihn gerne weiter verbreiten, vorausgesetzt, Sie halten sich an die Copyright Bestimmungen.
 



 


Betrachtungen
Erweitern Der Rebbe
Der Rebbe
Das Frühlingsfest
Es ist niemals zu spät
Freiheit als Gewissheit
Hochmut und Demut
Individuelle Freiheit
Nissan ist wichtiger Anfang
Der fünfte Sohn
Zum Wesen von Pessach
Die "Kleinigkeiten"
Der Weise und der Böse