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KommentarKommentar

Gastfreundschaft und mehr


In der dieswöchtigen Sidra berichtet die Tora (Genesis 18, 1-2) das folgende: "G-tt enthüllte sich ihm (Abraham) im Haine von Mamre, als er (Abraham) am Eingang seines Zeltes in der Tageshitze saß. Und er erhob seine Augen und sah – drei Männer standen nahe bei ihm; und er lief ihnen vom Eingang des Zeltes entgegen, und er beugte sich nieder bis zur Erde."

Dazu kommentiert Raschi, dass Abraham, nunmehr 99 Jahre alt, sich gerade von seiner Beschneidung erholte. Die Sonne brannte so heiß, dass die Menschen sich nicht auf den Weg machen wollten, um zu reisen; und damit blieb Abraham (angesichts seines augenblicklichen Gesundheitszustandes) die Unannehmlichkeit erspart, sich vorüberziehenden Gästen zu widmen und ihnen seine normale, bewährte Gastfreundschaft zu zeigen. Als G-tt dann jedoch sah, wie betrübt Abraham war, dass er keine Gäste bewirten konnte, sorgte Er dafür, dass ihm jene drei "Männer" erschienen (es waren "Malachim", gewöhnlich übersetzt mit "Engel"), so dass er also die ihm lieb gewordene, große Mizwa von Gastfreundlichkeit erfüllen konnte.

Obwohl G-tt in dem Augenblick gerade "bei" Abraham war (wie der oben zitierte Vers zeigt, hatte Er sich ihm soeben enthüllt), bat Abraham Ihn zu "warten", und er lief vorwärts, um seine Gäste zu begrüßen. Aus diesem sehr bemerkenswerten Verhalten ziehen unsere Weisen diese Schlussfolgerung (Talmud, Schabbat 127a): "Gäste willkommen zu heißen und zu empfangen, ist noch größer als G-ttes Allgegenwart willkommen zu heißen und zu empfangen."

Etwas später bemerkt Raschi (zu Genesis 18, 81, dass die "Engel" nicht wirklich von den ihnen vorgesetzten Speisen aßen, sondern dieses nur "scheinbar" taten. Wenn dem so war, worin bestand dann überhaupt der Wert dieser Gastfreundschaft? (Die Frage bleibt die gleiche, auch wenn man andere Ansichten berücksichtigt, denen zufolge die "Engel" tatsächlich aßen. Diese abweichenden Kommentare geben gegen jedoch zu, dass sie dies nur um Abrahams willen taten, um ihn nicht "vor den Kopf zu stoßen", nicht aber, weil sie das Essen überhaupt benötigten.)

Die Antwort ist, dass Abraham auf jeden Fall die drei Gäste für hungrige Sterbliche hielt. Also lief er zur Herde, wählte ein junges Kalb zum Schlachten aus und bereitete die Mahlzeit vor. Seine überragend große Freundlichkeit und Herzensgüte waren erweckt worden; und er ließ es sich seine ganz persönliche Angelegenheit sein, sich um seine Gäste zu kümmern. Obwohl diese (nach Raschi) in Wirklichkeit die ihnen gereichten Speisen nicht zu sich nahmen, ermangelte es, so weit es sich um Abraham Einsatz und Mühewaltung handelte, an nichts.

Von unserem Ahnen müssen wir lernen. Sein hohes Verdienst bestand darin, dass er immer nur an andere dachte und sich darauf konzentrierte, anderen zu helfen. Da sind der tatsächliche Erfolg und das Endergebnis eigentlich belanglos. Wichtig allein ist dies: Jemand ist hungrig; und so kann Abraham nicht müßig sein. Das wichtige Gebot von Gastfreundschaft hat er erfüllt.

Was nun unsere vorwöchentlichen Betrachtungen betrifft, so lassen sich diese aufgrund der Vorkommnisse in der heutigen Sidra noch ausdehnen und weiterführen: Sogar angesichts der furchtbaren Situation in Sodom "verhandelte" Abraham mit G-tt und bat um Gerechtigkeit und Milde (Genesis 18, 23-33). Seinen Gästen brachte er selbst – wie vorige Woche gezeigt – Gerechtigkeit, G-tteserkenntnis und Frömmigkeit bei. In Bezug auf Sodom setzte er sich bei G-tt dafür ein, dass die Stadt genau um der wenigen Gerechten willen verschont bleibe. Nur als er hörte, dass Sodom allein dann zerstört würde, wenn sich dort nicht zehn Gerechte finden ließen, erst dann stellte Abraham keine weiteren Forderungen. Lediglich in dieser einen Hinsicht stand er noch hinter Moses zurück; denn der letztere bat G-tt um Vergebung für das gesamte Volk, sogar als fast alle sich beim Goldenen Kalb vergangen hatten (Exodus 32, 11 ff.). Sollte G-tt ihnen nicht vergeben, dann wollte Moses selbst auch nicht überleben (Vers 32). So weit war Abraham allerdings nicht gegangen.

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KommentarKommentar

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"

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