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Book Title Schlüsselfragen zum Judentum
von Nissan Dovid Dubov
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Warum ist es problematisch, einen Nichtjuden zu heiraten?

Wir leben in einer multikulturellen und multi-religiösen Gesellschaft. Wir haben mit Menschen anderer Glaubensrichtungen Kontakt. Viele Juden sind assimiliert und fühlen sich in der säkularen Gesellschaft sehr wohl. Warum soll es solch eine Tragödie sein, wenn ein jüdischer Mann eine nicht-jüdische Frau (oder eine jüdische Frau einen nicht-jüdischen Mann) findet, mit der er sich ganz und gar wohl fühlt und die er heiraten möchte? Er spricht von ihr als einen wunderbaren Menschen mit gutem Charakter, sogar viel netter als all die jüdischen Frauen, die er bisher getroffen hat. Sie ist mit seiner jüdischen Herkunft vertraut. Beide haben dieselben Werte und Hobbys. Eine gute Partie also, - nur dass sie nicht im Himmel gemacht wurde. Warum wird eine Verbindung zwischen Jude und Nicht-Jude nicht im Himmel beschlossen?

Die Entscheidung, einen Nichtjuden zu heiraten, ist sehr vielsagend, und wir sollten uns fragen, was es überhaupt bedeutet, jüdisch zu sein. Ist es nur ein „Geburtsfehler“? Gibt es Unterschiede zwischen Juden und Nicht-Juden? Behalten wir unsere jüdische Identität voll bei, wenn wir Juden mit einem Nicht-Juden verheiratet sind? Was sollen wir tun, wenn wir den perfekten Partner finden, der liebevoll, fürsorglich, rücksichtsvoll und humorvoll, nur leider nicht jüdisch ist? Was ist wichtiger im Leben, eine glückliche Ehe oder die Religion? Wenn wir einen lieben Menschen gefunden haben, macht die Religion dann wirklich so viel aus?

Woher kommen wir?

Niemand kommt einfach ohne Stammbaum auf die Welt. Wir sind alle das Endprodukt vorheriger Generationen. Wir Juden sind Nachkommen von Abraham, Isaak und Jakob. Jakob’s Familie ging nach Ägypten, wo sie nach 210 Jahren von G-tt durch Moses, Seinen treuen Diener, aus der Sklaverei befreit wurden. Die Kinder Israel’s wurden daraufhin am Berg Sinai ein Volk. Die Tora war ihr „Ehevertrag“ mit G-tt. Heute ist die jüdische Geschichte über 3300 Jahre alt. Während dieser Zeit hatten die Juden ihre goldenen Zeiten. Sie durchlitten aber auch furchtbare Verfolgungen, die Inquisition, Pogrome, den Holocaust. Heutzutage als Jude geboren zu sein, ist kein Geburtsfehler, sondern das Endprodukt von über 3300 jähriger Selbstaufopferung. Unsere Vorfahren waren Helden, die manchmal sogar ihr Leben für ihren Glauben ließen. Jeder kann irgendwo einen Vorfahren finden, der Armut, Verachtung, Exil und Beschämung auf sich genommen hat, und dennoch an seinem Glauben festgehalten hat. Griechen, Römer, Kreuzritter, Nazis und Kommunisten haben vergeblich versucht, den jüdischen Glauben auszumerzen. Die Verfolger gehören alle der Vergangenheit an, aber das Judentum ist lebendig. Der unverwüstliche jüdische Geist hat überlebt und hat an seinen Traditionen allen Schwierigkeiten zum Trotz festgehalten.

Und jetzt will das letzte Glied in dieser Traditionskette die Kette zerschlagen. Stellen wir uns vor, dass all unsere Vorfahren auferstehen. Sie würden andere Sprachen sprechen, andere Kleidung tragen und andere Nahrung zu sich nehmen, aber alle würden dieselbe jüdische Tradition teilen. Was würden wir unserem Ur-Urgroßvater sagen, der dafür, dass er den Schabbat gehalten hat, ins Gefängnis geworfen wurde? Was würden wir unserer Ur-Urgroßmutter sagen, die kilometerweit wandern musste, um koscheres Essen zu bekommen? Wie würden wir ihnen unseren nicht-jüdischen Verlobten vorstellen?

1996 hat George Rohr, ein amerikanischer Philantropist, bei einer Konvention der Gesandten des Lubawitscher Rebben eine Geschichte erzählt. Herr Rohr erzählte, dass er den Rebbe einmal nach Rosch Haschana getroffen habe. Herr Rohr dachte, es wäre gut, dem Rebbe ein „geistiges“ Geschenk zu geben. Kurz zuvor hatte er einen Anfänger-G-ttesdienst bei seiner Schul in Manhattan begonnen. Am Rosch Haschana hatten 120 Juden an diesem neuen G-ttesdienst teilgenommen. Herr Rohr hatte sich entschlossen, dies dem Rebbe mitzuteilen. Herr Rohr war sich sicher, dass der Rebbe sich sehr darüber freuen werde. Als er an der Reihe war, ging er selbstsicher auf den Rebbe zu und sagte: „G-tt sei Dank haben wir an diesem Rosch Haschana einen Anfänger-G-ttesdienst in unserer Schul organisiert. 120 Juden ohne jüdische Herkunft haben teilgenommen!”

Bis dahin hatte der Rebbe ein breites Lächeln auf den Lippen, aber als Herr Rohr ihm die Neuigkeit mitteilte, verschwand das Lächeln. Herr Rohr überlegte, ob er irgendetwas gesagt habe, das den Rebbe beunruhigt haben könnte.

„Was?” fragte der Rebbe.

Herr Rohr wiederholte: ”120 Juden ohne jüdische Herkunft”.

„Keine jüdische Herkunft?“, fragte der Rebbe. „Gehen Sie zurück und sagen diesen Juden, dass sie alle Kinder Abrahams, Issaks und Jakobs sind.“

Jetzt verstand Herr Rohr, was der Rebbe ihm sagen wollte. Der Rebbe wollte nicht, dass diese Juden als Juden ohne jüdische Herkunft beschrieben würden. Jeder Jude hat eine sehr edle Herkunft, denn er stammt von Abraham, Isaak und Jakob ab.

Wir könnten natürlich fragen, warum wir uns solche Schuldgefühle aufladen sollen? Denn warum sind wir dafür verantwortlich, die jüdische Tradition fortzuführen, bloß weil wir als Juden geboren wurden? Wer hat einem diese Verantwortung aufgeladen? Außerdem gibt es viele andere, die diese Tradition weiterführen. Was macht es, wenn wir uns in eine Sackgasse begeben?

Das ist seit dem Holocaust noch wichtiger geworden. Mischehen kann man als Hochverrat am jüdischen Volk betrachten, denn anstatt mehr Juden auf die Welt zu bringen, beteiligt man sich an der Dezimierung unseres Volkes. Man steuert sozusagen zu Hitler’s „Endlösung“ bei, die er und seine Genossen beinahe erfolgreich durchgefuehrt hatten. Man kann den schrecklich hohen Prozentsatz der Mischehen als heimliche Auslöschung unseres Volkes betrachten.

Das auserwählte Volk

Jeder Verdienst ist mit Verantwortung verbunden, und jede Verantwortung ist mit Pflichten verbunden. Am Berg Sinai hat G-tt uns als sein auserwähltes Volk ernannt. Wofür hat Er uns zu seinem auserwählten Volk gemacht?

Bevor G-tt den Juden die Zehn Gebote gab, sprach Er mit Moses und sagte (Exodus 19:5,6): „Wenn ihr mir jetzt gehorcht und mein Bündnis haltet, dann werdet ihr mein besonderes Volk sein, obwohl alle Welt mein ist. Ihr werdet ein Königreich der Priester und eine heilige Nation sein“.

Mit diesen wenigen Worten wird die Aufgabe, die die Juden haben, beschrieben: Ein Königreich der Priester zu sein. Das bedeutet, dass jeder einzelne von uns in seinem Privatleben heilig sein muss. In unserem Kontakt mit der Außenwelt muss jeder von uns, ob Mann oder Frau, priesterliche Funktionen erfüllen. Die Funktion des Priesters ist es, G-tt zu den Menschen zu „bringen“ und die Menschen näher zu G-tt zu bringen. Jeder Jude und jede Jüdin erfüllt seine/ihre persönliche und „priesterliche“ Pflicht, indem er/sie der Tora gemäß lebt.

Das Ausmaß unserer Pflichten steht in direktem Verhältnis zu der Position, die wir im Leben einnehmen. Als prominente Persönlichkeit ist diese Pflicht größer, denn sie ermöglicht es uns, insbesondere junge Menschen positiv zu beeinflussen. Solche Menschen sollten sich des Privilegs und der Verantwortung voll bewusst sein, welche die G-ttliche Gegenwart ihnen bei der Verbreitung des Lichts der Tora auferlegt.

Juden werden Bnei Jisrael genannt. Das Wort Jisrael ist eine Abkürzung für den Satz „Jesch Schischim Ribo Otiot LeTora“ (‚es gibt 600.000 Buchstaben in der Tora’). Jeder Jude wird mit einem Buchstaben in einer Torarolle verglichen. Selbst wenn nur ein Buchstabe fehlt, dann ist die ganze Torarolle inkomplett und ungültig. Jeder Jude ist ein Gesandter seines Volkes in seinen gesellschaftlichen Kreisen. Das ist zugleich eine G-ttgegebene Verantwortung und ein Privileg. Scheuen wir uns vor dieser Verantwortung, dann versagen wir uns dieses einmalige Privileg. Heiraten wir Juden also einen Nichtjuden, dann handeln wir dieser Pflicht zuwider.

Unsere Kinder

Die Tora verbietet es, Nichtjuden zu heiraten (Deuteronomius 7:3-4):

„Ihr sollt sie nicht heiraten; ihr sollt eure Tochter nicht ihrem Sohn geben, und ihr sollt ihre Tochter nicht für euren Sohn aussuchen, denn er wird euer Kind dazu bringen, Mir nicht mehr zu folgen. Sie werden andere G-tter anbeten. Dann wird der Ewige sich über euch ärgern und euch zerstören.“

Die direkte Implikation ist, dass die Kinder einer solchen Vereinigung vom Judentum weggerissen werden. Nur am Rande soll hier bemerkt werden, dass dies auch die Schriftstelle für das Gesetz der mütterlichen Vererbung der Religionszugehörigkeit ist. Es heisst da: „...denn er (d.h. ein nichtjüdischer Vater) wird euer Kind dazu bringen, Mir nicht mehr zu folgen“. Diese Stelle impliziert, dass ein Kind einer jüdischen Mutter jüdisch ist. Wenn ein jüdischer Mann eine nichtjüdische Frau heiratet, dann ist das Kind nicht jüdisch.

Wenn also ein jüdischer Mann eine nicht-jüdische Frau heiratet, dann ist das Kind nicht jüdisch und eine bislang ununterbrochene jüdische Erbfolge wurde unterbrochen. Wenn ein nicht-jüdischer Mann eine jüdische Frau heiratet, dann sind die Kinder jüdisch. Die Tora verbietet jedoch ausdrücklich solch eine Verbindung, denn „... er wird euer Kind dazu bringen, Mir nicht mehr zu folgen“.

Tatsächlich sollte eine jüdische Frau, die schon mit einem Nichtjuden verheiratet ist und Kinder hat, ermuntert werden, die Kinder jüdisch zu erziehen. Es gibt heutzutage Tausende Toratreue Juden, die nur eine jüdische Mutter haben. Für junge Leute, die einen Nichtjuden heiraten möchten, sprechen die Tatsachen lauter als viele Worte. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, wo die Mutter dem Kind eine sehr starke positive jüdische Erziehung gibt, wachsen die meisten Kinder mit einem Identitätsproblem auf. Um es auf einen Nenner zu bringen, sie fühlen sich halb jüdisch. Technisch gibt es so etwas nicht: Denn entweder ist ein Mensch 100% jüdisch oder er ist gar nicht jüdisch. Im Bezug auf die Identität fühlt sich das Kind jedoch nur halb jüdisch. Selbst wenn die Mutter eine stolze Jüdin ist, hat der Vater (sei er Atheist, Agnostiker, Protestant, Katholik, Muslim etc.) doch nicht dieselben Wertvorstellungen. Selbst wenn er damit einverstanden ist, dass das Kind jüdisch erzogen wird, wird es zwangsläufig Unterschiede geben, d.h. wenn Chanukka oder Weihnachten zu feiern ist, steht sie Frage: Beides oder keines von beiden? Egal wofür sich die Eltern entscheiden, es wird eine verwirrende oder sogar widersprüchliche Erfahrung für das Kind sein. Viele Paare, bei denen nur ein Partner jüdisch ist, feiern beides, aber was für eine Aussage machen sie damit gegenüber dem Kind? Ist das Kind jüdisch, d.h. es lehnt das Christentum für sich ab, oder ist es christlich mit jüdischer Abstammung? Dies ist sehr verwirrend für das Kind. Vielfach erlebt das Kind beide Glaubensrichtungen sehr oberflächlich und wird durch seine Eltern vom wahren Glauben abgehalten.

Nach der Geburt fangen die Probleme an: Soll das Kind beschnitten oder getauft werden, beides oder keins von beiden? Sollte das Kind eine Bar Mizwa haben oder konfirmiert werden, in einer Synagoge oder Kirche heiraten, in einem jüdischen Friedhof begraben werden oder eingeäschert werden?

Und wie wahrscheinlich ist es, dass das Kind eine/n Jüdin/Juden heiraten möchte? Selbst wenn die Mutter einen nichtjüdischen Partner heiraten, aber ihr Kind als Juden aufziehen möchte, wer sagt, dass ihr Kind einen Juden heiraten möchte? Welches Beispiel gab die Mutter ihrem Kind?!

Kinder lernen von ihren Eltern. Kindern kann keine Ethik beigebracht werden, sie müssen sie erleben. Der jüdische Elternteil kann nicht vom Kind verlangen, dass es einen Juden heiratet, wenn er selbst einen Nichtjuden geheiratet hat!

Menschen sind soziale Wesen. Menschen haben sich immer in Gemeinschaften angesiedelt. Die internationale jüdische Gemeinschaft war immer stolz auf „Kol Jisrael Chawerim“ (‚alle Juden sind eine Bruderschaft’, d.h. eine Nation). Wer nach Bangkok fährt und einen Platz am Schabbat braucht, kann sicher sein, dass er eine Einladung in die Synagoge bekommt. Juden finden auf der ganzen Welt eine internationale Selbsthilfegruppe, die gastfreundlich ist und im Notfall auch finanzielle Hilfe leistet. Das nicht-jüdische Kind ist aus dieser Gruppe entfernt und ihr entfremdet worden. Jeder Mensch möchte einer Gruppe angehören, - das ist ein menschliches Bedürfnis. Wer aber außerhalb dieser Gruppe heiratet, verwirrt seine Kinder, da sie nicht wissen, wohin sie gehören.

Es ist in den Genen

Mit der Heirat gehen zwei Menschen, sogar bei ähnlicher Herkunft ein gewisses Risiko ein. Niemand weiß vorher, wie die Anpassung aneinander verläuft und ob sie tatsächlich zueinander passen. Selbst wenn die beiden sich schon einige Zeit kennen, besteht keine Garantie für eine dauerhafte Zukunft, sobald aus ihrer Bekanntschaft eine Ehe wird und beide 24 Stunden unter demselben Dach leben. Bei ganz und gar verschiedener Herkunft mit Unterschieden, die sich über Generationen tiefliegend und langandauernd formten, besteht nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich beide so aneinander anpassen, um schließlich für immer zueinander zu gehören. Das wird umso schwerer sein, je feindlicher diese Verhaltensweise ihrer Vorfahren waren, z. B. die von Christen ausgehenden Pogrome und Verfolgungen gegen Juden in den letzten 2000 Jahren. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Charaktereigenschaften, und vor allem solche, die über Generationen hinweg tief entwickelt wurden, vererbt sind.

Ehen zwischen Juden und Nicht-Juden führen früher oder später zu endlosen Reibereien und Sorgen. Auch wenn eine noch so ernsthafte Beziehung eine gewisse Übereinstimmung anzuzeigen scheint, dann bedeutet das nicht, dass dies auch nach der Hochzeit immer so bleiben wird. Im Gegenteil: Es ist unvermeidlich, dass zwei Menschen grundverschiedener Herkunft durch die ererbten Eigenschaften gegeneinander beeinflusst werden.

Keine Änderung

Wer sagt, dass Menschen sich nicht ändern? Selbst wenn ein Paar glücklich miteinander ist, sich sehr liebt und entschieden hat, trotz ihrer unterschiedlichen Religionszugehörigkeit zu heiraten, können zukünftige Ereignisse ihre Gefühle ins Gegenteil verkehren. Es gibt zu viele Faktoren, infolgedessen sich die Gefühle zweier Menschen füreinander verändern können.

König Salomo hat geschrieben: „Ich schlafe, aber mein Herz ist wach“. Ein Jude kann spirituell schlafen, aber sein inneres jüdisches Herz ist immer wach und wird zu bestimmten Zeiten wachgerüttelt. Mehrere Jahre nach der Hochzeit, wenn vieles in der Beziehung zur Routine geworden ist, könnten die Seele und das jüdische Herz den Wunsch entwickeln, nach dem tieferen Lebenssinn zu suchen. Der jüdische Ehepartner sehnt sich auf einmal nach Spiritualität und möchte seine Wurzeln wiederentdecken.

Dann aber kann er seine Gefühle nicht mit seinem Ehegatten teilen, denn der Nicht-Jude wird solche Gefühle weder verstehen noch empfinden. In ihm findet der Jude keinen Partner; er ist ganz allein! Jedoch wäre ihm ein jüdischer Ehepartner aufgrund der gleichen Herkunft und Bestimmung eben ein solcher Partner.

Aber die Beziehung funktioniert!

Natürlich gibt es das Argument, dass es einige Ehen zwischen Juden und Nichtjuden gibt, die zu halten scheinen. Die Statistiken zeigen jedoch, dass in Ehen verschiedener Glaubensrichtungen prozentual viel mehr Trennungen und Scheidungen stattfinden als bei Ehen zwischen Juden. Außerdem versuchen viele Ehepaare, eine glückliche Ehe vorzutäuschen, da sie sich schämen, zuzugeben, dass sie einen Fehler begangen und deshalb nun Reibereien haben. Bei Ehen verschiedener Glaubensrichtungen ist die Scham deshalb größer, da Freunde und Verwandte das Paar vorher gewarnt haben könnten, wodurch sie sich aber - von der Andersartigkeit ihrer Ehe überzeugt - nicht abbringen ließen.

Es ist einfach nicht richtig

Ein ehrlicher Mensch sollte keinen anderen Menschen in eine Beziehung hineinbringen, die schon von Anfang an problematisch ist. Wenn beide sich wirklich lieben, d.h. wenn sie nicht selbstsüchtig sind, dann sollten sie ihre eigene Wunscherfüllung dafür opfern, dass dem anderen eine problematische Zukunft erspart bleibt. Denn sonst ist die Liebe nur egoistisch, in der das Unglück vorprogrammiert ist.

Solch eine Verbindung führt unwiderruflich zu Reibereien, unter der die Kinder leiden, wenn sie miterleben, wie jedes Elternteil seine Vorstellungen durchzusetzen versucht. Unwiderruflich werden sich die Eltern z.B. darüber streiten, welche Jahres- und Lebensabschnitte zu feiern sind.

Auch sei betont, dass niemand das Recht hat, einen anderen Menschen in Mitleidenschaft zu ziehen und zur Selbstaufgabe zu zwingen.

Eine jüdische Ehe

Eine jüdische Ehe wird Binjan Adei Ad (ein ewiges Gebäude) genannt. Um das Gebäude der Ehe tatsächlich stark und haltbar zu machen, sollte die Hochzeit und das Haus des Paares ganz und gar Toratreu sein. Die Tora wird Torat Chaim (Tora des Lebens) genannt, denn sie ist die Quelle ewigen Lebens in der zukünftigen Welt. Zudem leitet sie den Menschen auf dieser Erde dazu an, den rechten Weg zu beschreiten.

Der Vergleich der Ehe mit einem „ewigen Gebäude“ beinhaltet eine wichtige Aussage: Bei jeder Struktur muss zuerst und vor allem auf ein gutes, dauerhaftes Fundament geachtet werden. Ohne solch ein Fundament ist alle Mühe mit den Wänden, dem Dach, der Dekoration usw. vergeblich. Das gleiche gilt auch für eine Ehe. Wenn das Fundament nicht stabil ist, kann das zu tragischen Auswirkungen führen. Deshalb muss eine jüdische Ehe vor allem auf der felsenfesten Grundlage der Tora und Mizwot aufgebaut werden. Dann wird das Paar sein ganzes Leben lang mit Freude gesegnet sein.

In der Tora wird die Ehe mit Nichtjuden ausdrücklich verboten. Solch eine Verbindung hat keine Grundlage und wird kein ewiges Gebäude werden. Tatsächlich ist es ein großes Unglück, wenn Jude und Nicht-Jude heiraten, und zwar nicht nur vom religiösen Standpunkt aus gesehen. Es ist auch keine ganz und gar persönliche Angelegenheit, denn das ganze jüdische Volk ist betroffen. Es gibt wenige Sünden, die das ganze jüdische Volk so stark betreffen, wie die Heirat eines Juden mit einem Nichtjuden (G-tt bewahre). Es ist eine Sünde auch gegenüber seiner eigenen Ehrlichkeit, da solch ein Schritt sowohl gegenüber der anderen Seite als auch gegenüber Verwandten und Freunden sehr unangemessen ist. Hoffen doch alle, dass das Ehepaar ein frohes und glückliches Lebens führt.

Sollte ein Jude nur deshalb eine Jüdin heiraten, weil sie jüdisch ist?

Viele junge Leute haben das Gefühl, dass ihre Eltern sie dazu drängen wollen, einen jüdischen Partner zu heiraten. Obwohl die Auswahl in der nichtjüdischen Welt größer ist, fühlen sie sich verpflichtet, innerhalb der jüdischen Welt zu heiraten. Sie fragen oft einen Rabbiner, was der Unterschied zwischen einem Juden und einem Nichtjuden ist, da sich beide gleich anziehen, gleiche Werte haben und dasselbe essen. Auf die Frage: Sollte ein jüdischer Mann, der die Wahl zwischen einer jüdischen und einer nichtjüdischen Frau hat, die jüdische Frau heiraten, bloß weil sie jüdisch ist?

Die Antwort ist ein eindeutiges „Ja!”, da in solch einer Ehe das Potential für eine wirklich jüdische Ehe gegeben ist. Obwohl es im Moment keinen Unterschied zwischen der Jüdin und der Nicht-Jüdin zu geben scheint, werden Menschen oft mit zunehmendem Alter reifer. Juden, die mit Juden verheiratet sind, haben dann eine gemeinsame Basis und damit ein Wachstumspotential. In einer religiösen Mischehe ist das nicht der Fall.

Dem eindeutigen „Ja!” müssen wir jedoch hinzufügen, dass jede Ehe nur durch harte Arbeit wachsen kann. Es ist zwingend erforderlich, dass zwei jüdische Brautleute das riesige Gedankengut der Tora, das in ihrem zukünftigen Leben wegweisend sein soll, erforschen. Paare müssen die Gesetze der Taharat Hamischpacha (Familienreinheit) kennen lernen, die die Ehe verbessern. Sie müssen sich mit den wichtigen Konzepten Schalom Bajit (Frieden im Haus) und Kaschrut beschäftigen. Sie sollten sich über Chinuch (Erziehung der Kinder von jung an) informieren. Keine gute Ehe ist selbstverständlich. Ein Mann und seine Frau müssen hart arbeiten, um ihre Ehe den Anweisungen der Tora gemäß zu einem Erfolg werden zu lassen.

Ist Konvertierung eine Möglichkeit?

Konvertieren ist eine ernsthafte Angelegenheit. Deshalb sollte sich jeder selbst ernsthaft fragen: Strebt er die Konversion an, weil er wirklich, d.h. unabhängig von der bevorstehenden Ehe, jüdisch werden möchte, oder ist es eine Konversion, die er wegen der Eltern vollzieht? Eine ernsthafte Konversion kann jahrelang dauern, da sie diesbezügliche Lebenstil- und Verhaltensveränderungen beinhaltet.

Eine „kosmetische“ Konversion ist offensichtlich keine Lösung für ernsthafte und ehrliche Menschen. Eine wahre Konversion beinhaltet, dass der Nichtjude zu einem Juden mit einer neuen jüdischen Neschama (Seele) wird, so wie ein neugeborenes Kind jüdischer Eltern. Solch eine Konversion ist halachisch (dem jüdischen Gesetz gemäß) einwandfrei.

In der Halacha steht eindeutig, dass der Konvertit ehrlich und aus vollem Herzen alle Mizwot annimmt. Wenn er alle Mizwot mit Ausnahme einer Mizwa annehmen würde, dann ist die ganze Konversion automatisch ungültig, und der Nichtjude würde ein Nichtjude bleiben. Er kann natürlich einen Rabbiner oder einen Rabbinischen Gerichtshof in die Irre führen, indem er erklärt, alle Mizwot angenommen zu haben. Aber den Schöpfer, der dem Konvertiten die Neschama gibt, kann er nicht hintergehen.

Es wird oft gesagt, dass von einem Nichtjuden, der konvertieren möchte, nicht mehr abverlangt werden könnte, als von den vielen Juden, die zwar jüdisch geboren wurden, aber nicht so viele Gebote halten. Dieses Argument ist nicht schlagkräftig, da es der Halacha (jüdisches Gesetz) gemäß zwingend vorgeschrieben ist, dass der Nichtjude, der konvertieren möchte, sich verpflichten muss, alle Gesetze der Tora zu halten.

Es sei hier angemerkt, dass entweder in einer orthodoxen oder einer „progressiven“ Gemeinde konvertiert werden kann. Doch sollte dabei jeder beachten, dass eine orthodoxe Konvertierung in allen Kreisen anerkannt wird. Dagegen wird eine „progressive“ Konvertierung von den orthodoxen Kreisen nicht akzeptiert. Daraus folgt, dass es gefährlich ist, in einer progressiven Gemeinde zu konvertieren. Denn was nützt dem Konvertiten seine jüdische Identität, wenn sie nicht universal anerkannt wird?!

Das ist wie der lange, aber trotzdem kurze Weg. Um an sein Ziel zu kommen, kann ein längerer Weg sich später als kürzer herausstellen. Oft erweist sich hingegen eine eingeschlagene Abkürzung als der längere Weg. Eine orthodoxe Konversion ist der längere, aber der trotzdem kürzere Weg. Denn es wird schwerer sein und länger dauern, aber es ist der kürzeste Weg, um als Jude auf der ganzen Welt anerkannt zu werden. Eine progressive Konversion kann vergleichsweise schnell und leicht sein. Aber letztendlich stellt sie einen sehr langen Weg dar, da das Endresultat eine Enttäuschung - da ohne Anerkennung - sein wird. Für viele Kinder ist es ein Schock, wenn sie von orthodoxen Gemeinden nicht als jüdisch angesehen werden, da ihre Eltern in progressiven Gemeinden konvertiert wurden.

Wer heiratet macht sich Gedanken über die gemeinsame Zukunft. Doch sollte das Brautpaar nicht nur an sich selbst denken, sondern auch an den Status seine Kinder. Wenn Eltern das Beste für ihre Kinder tun möchten, sollten sie sicher stellen, dass ihre Kinder später kein Problem bezüglich ihres jüdischen Status haben. Daher sollte jeder, der ernsthaft zum Judentum übertreten möchte, mit einer halachischen Autorität Kontakt aufnehmen, z.B. auch das Buch von Rabbiner J.E. Schochet lesen, der dieses Thema behandelt.

Guter Rat für die Eltern

Eltern sprechen oft mit Rabbinern, um zu erfahren, wie sie es verhindern können, dass ihre Kinder einen Nichtjuden heiraten.

Tatsächlich gibt es in solchen Fällen zwei Ratschläge: Einen für die Zeit vor der Krise und einen für die Zeit danach. Bei der Geburt ihres Kindes wünschen wir den Eltern „Masel Tow!“ Oft melden die Eltern ihr Kind direkt nach dem Masel Tow bei der besten Schule an, um ihr Kind später in den höchsten akademischen Kreisen zu sehen. Gleichzeitig sind sie mit einer schwachen Vorbereitung zur Bar Mizwa zufrieden. Diese Eltern wollen, dass ihr Kind weltgewandt, gut ausgebildet, modern, aufgeschlossen und nach solch einer Schulbildung in der Lage ist, selbst zu entscheiden, wen es heiraten möchte. Will nun das Kind einen Nichtjuden heiraten, gehen die Eltern zum Rabbiner, um die Situation zu beheben. Einige Eltern finden sich mit der Situation ab. Andere versuchen, den Nichtjuden zu einer Scheinkonversion zu bewegen.

Tatsächlich gibt solch eine Ausbildung Kindern keine Entscheidungsfreiheit. Wenn sie sich zwischen einem modernen Laboratorium und einem muffigen Klassenzimmer in einer alten Synagoge entscheiden sollen, werden sie sich auf jeden Fall für das Laboratorium entscheiden.

Ein Mann wurde einmal gefragt, ob er wisse, was ein Tallit Katan ist. Er nickte und zeigte an seinem Körper Zizit für einen siebenjährigen Jungen. Das war wohl, was er früher in der Cheder getragen hat. Dann wurde er gefragt, welche Anzuggröße er habe. Als er die Frage verwirrend fand, erklärte man ihm, dass er jetzt einen Erwachsenen-Anzug trage, aber an Kinder-Zizit denke.

Die Geschichte verdeutlicht, dass das Judentum dieses Mannes auf der Kinderebene stehen geblieben ist. Auf allen anderen Gebieten (Mathematik, Englisch, Geschichte usw.) hat er eine höhere Ausbildung bekommen, aber seine jüdische Ausbildung hat mit der Bar Mizwa aufgehört. Dass er sich assimilieren möchte ist nicht verwunderlich, da er sich zwischen einer modernen erwachsenen Welt und einer archaischen Vergangenheit entscheiden muss.

Wenn Eltern ihren Kindern wirklich eine Auswahl geben möchten, dann müssen sie ihren Kindern eine gute jüdische Ausbildung und Identität geben. Nur so können sie eine fundierte Entscheidung treffen.

Ein Vater kam mit seiner Tochter zum Rabbiner und bat ihn, seine Tochter davon zu überzeugen, dass sie keinen Nichtjuden heiraten solle. Der Rabbiner fragte die Tochter, warum sie keinen Juden heiraten wolle. Sie antwortete, dass ihr Vater sie nie mit zur Synagoge genommen habe, nie koscheres Essen gegessen habe, nie den Schabbat und nie die Feiertage gehalten habe. Das heißt, er lebte genau wie seine nichtjüdischen Nachbarn. Daher fragte sie sich, warum sie heucheln und darauf bestehen solle, dass der Schwiegersohn ein Jude ist! Der Rabbiner erwiderte, dass er mit der Tochter einer Meinung sei. Der Vater wusste zuerst nicht, was er sagen sollte. Dann bemerkte er, dass er seine Tochter zum Rabbiner gebracht habe, um sie davon zu überzeugen, dass sie keinen Nichtjuden heiraten solle, und nicht, damit er mit ihr einer Meinung sei. Der Rabbiner antwortete, dass der Vater und die Mutter erst selbst wie Juden leben sollten, d.h. dass er jeden Tag Tefillin anziehen und seine Frau Schabbatkerzen anzünden solle. Mit viel Überzeugungskunst gelang es, die Tochter zu überzeugen, einen Juden zu heiraten.

Als Jude leben, das ist der Rat vor der Krise. Was ist aber, wenn die Krise bereits eingetreten ist?

Natürlich sollten die Eltern und deren Freunde alles in ihrer Macht stehende tun, um solch eine Tragödie zu verhindern, denn keiner weiß, wie und wann die inneren jüdischen Gefühle geweckt werden.

Die Eltern sollten sich allerdings bewusst sein, dass alle Mitglieder der jüdischen Familie ein Organismus sind. Wenn ein Teil eine besondere Behandlung braucht, dann kann diese Behandlung entweder direkt oder indirekt, d.h. durch Stärkung der anderen Körperteile (und zwar vor allem zentraler Körperteile) vollzogen werden. Das Oberhaupt der Familie wird Baal HaBajit genannt. Die Ehefrau wird Akeret HaBajit genannt, was dem Herzen entspricht. Daher haben die Eltern durch ihre Tora und Mizwot einen guten Einfluss auf alle Familienmitglieder. Manchmal beinhaltet solch ein Schritt gewisse Schwierigkeiten, da bestimmte Veränderungen, manchmal sogar radikale Veränderungen in Bezug auf Gewohnheiten und Lebensstil durchzuführen sind. Gleichzeitig sollten wir uns vor Augen halten, dass diese Schritte weitreichende Vorteile haben. Eltern erachten keinen Schritt als zu schwierig, wenn es darum geht, ihren Kindern zu helfen. Juden sollen immer dem Willen G-ttes entsprechend leben, vor allem, wenn sie den Segen G-ttes besonders nötig haben.

Gleichzeitig wissen wir, dass ein Jude, egal wie er sich früher verhalten hat, immer neu anfangen kann. Dies wird durch Tschuwa (wörtlich: zu seinem inneren Kern zurückkehren) vollzogen.


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von Nissan Dovid Dubov
Rabbi Dubov ist der Direktor von Chabad of South London in Wimbledon, England. Er ist der Gründer der "KabbalahUK" Webseite und Autor vieler Bücher. Rabbiner Dubov lebt in Wimbledon mit seiner Frau Sarah und ihren Kindern.

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Glossar
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