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Das tote Gebet


Die Gegner des Chassidismus der Stadt Sanik reisten einst durch Rusin und beschlossen, den berühmten Rabbi von Rusin, Rabbi Jisrael Friedmann, einer der großen Meister des Chassidismus, zu besuchen und mit ihm über den Chassidismus zu diskutieren.

Sie kamen zum Zaddik und fragten: „Sehen Sie, unser Weg ist ganz offenbar der Weg vor G-tt. Wir haben feste Zeiten für das Torastudium, stehen früh zum Gebet auf und gleich nach dem Gebet, während wir noch unseren Tallit (Gebetsmantel) und Tefillin (Gebetsriemen) tragen, studieren wird Mischnajot (Lehrsätze aus der mündlichen Lehre).

Aber die Chassidim beten spät, nach dem Gebet setzen sie sich zu einem Gläschen Vodka und sagen Lechajim und dann nennen sie sich noch Chassidim (Fromme) und uns nennen sie Gegner des Chassidismus!“

Der Diener des Zaddik, welcher auch dabei war, konnte sich nicht einhalten und antwortete: „Ja! Euer Gebet ist kalt (ohne Gefühl), euer Torastudium ist kalt, es ist fast so als beteten tote Menschen und wenn ein Mensch stirbt ist es üblich, nach ihm Mischnajot zu lernen. Dagegen die Chassidim, das wenige, wo sie G-tt dienen ist mit Gefühl und Freude, ihr Herz brennt wie ein Feuer, wie ein lebendiger Mensch und ein lebendiger Mensch braucht ein bisschen Lechajim!“

Da sagte der Zaddik: „Diese Antwort war natürlich nicht ernst gemeint. Aber die wahre Erklärung ist so: Seit der Zeit der Zerstörung des Tempels, wo wir keine Opfer zu G-tt mehr bringen können, steht das Gebet anstelle der Opfer. Genau wie das Opfer durch unlautere und unpassende Gedanken unbrauchbar werden konnte, wird auch das Gebet durch unlautere Gedanken unwirksam. Der böse Trieb im Menschen verwendet seine ganze Energie, um dem Menschen unlautere Gedanken einzuflüstern, da er realisiert, dass das Gebet eine solch große Bedeutung hat.

Deshalb haben die Chassidim die Idee entwickelt, nach dem Gebet zusammen Lechajim zu sagen. Dabei wünscht jeder dem anderen gute Dinge und da die Regel lautet, dass jedes Gebet in jeglicher Sprache von G-tt gehört wird, kann dies auch als Gebet gelten. Doch der böse Trieb lässt sie beim Lechajim sagen in Ruhe und flüstert keine unlauteren Gedanken ein, denn er denkt, es handle sich nur um Materielles.“

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