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Book Title Likute Sichot
Ein Vortrag des Lubawitscher Rebben zum Wochenabschnitt
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Bereschit - Warum die Welt besteht

Band 1, Seite 1-2

1. Es ist bekannt, das die Rebben – die Oberhäupter der Chabad-Bewegung – gesagt haben1, dass der Schabbat, an dem der Wochenabschnitt Bereschit gelesen wird, für das gesamte Jahr bedeutsam ist, und dass die Weise, wie man sich am Schabbat Bereschit verhält, das ganze Jahr beeinflusst.

Dies erscheint auf dem ersten Blick unverständlich: Weshalb ausgerechnet Schabbat Bereschit? Warum nicht z.B. der Schabbat, an dem die Tora gegeben wurde? Und was mit all den Wochenabschnitten, welche Gebote und Themen enthalten, welche in der Tora kein zweites Mal erwähnt werden? Da ja somit auch diese das ganze Jahr betreffen, stellt sich die Frage, warum gerade dieser Schabbat eine Sonderstellung haben, und warum es gerade das Verhalten am Schabbat Bereschit sein soll, welches das gesamte Jahr beeinflusst.

2. „Im Anfang schuf der Herr die Himmel und die Erde“, dies bedeutet, dass G“tt die gesamte Welt aus dem vollkommenen Nichts erschaffen hat2. Daher ist es zwingend notwendig einzugestehen3, dass die Schöpfung ein ständiger Prozess ist – jede Minute und jeden Augenblick.

Dies bedeutet, dass das Neue an den sechs Tagen der Schöpfung darin besteht, dass vorher nur ein vollkommenes Nichts bestand, während danach ein Seiendes bestand. Und dies ist ein gewaltiges Neues. Diese Offenbarung gilt aber auch für jede Minute, da die Welt ständig eine ganz neue Schöpfung ist.

Dies wird auch ausführlich im Buche Tanja4 anhand des Verses „Auf ewig steht Dein Wort im Himmel“5 erklärt, nämlich dass jedes Geschöpf von sich selbst aus auch jetzt Nichts und Leere ist, und dass seine ganze Existenz allein darauf beruht, dass G“tt es ständig zum Sein verhilft. Daraus ergibt sich selbstverständlich, dass die gesamte Wirklichkeit – G“ttlichkeit ist.

3. Somit wird man nun auch verstehen, warum Schabbat Bereschit für das ganze Jahr bedeutsam ist, denn daran zu denken, dass G“tt im Anfang schuf, dies ist die Grundlage des G“ttesdienstes während des ganzen Jahres.

Wenn es sich also um einen Juden handelt, welcher seine materielle Beschäftigung in ein Gefäß von G“ttlichkeit verwandeln will, so mag es vorkommen, dass ihn dies aufgrund der natürlichen, weltlichen Ordnung der Dinge schwer – oder sogar unmöglich erscheint. Wenn man sich aber daran erinnert, dass „Auf ewig Dein Wort im Himmel steht“, so erfasst man, dass die Welt ganz und gar keine eigene Existenz hat, und wenn sie trotzdem existiert, dann nur, weil „G“tt sprach es werde Licht“ und allein deshalb „ward Licht“. Und so gilt auch für die übrigen der zehn Aussprüche G“ttes, dass „der Heilige, gelobt sei er, in die Tora schaute und so die Welt erschuf“6. Wenn dies verstanden wird, so erkennt man, dass die ganze Existenz und das „Dasein“ der Welt, allein von den zehn Aussprüchen der Tora abhängig ist7. Daraus ergibt sich von selbst, dass die Existenz der Welt die Gebote G“ttes nicht stören kann, da ja diese Welt derselben Tora ihre Existenz verdankt, in der auch „Ich bin der Ewige Dein Herr“8 und alle 613 Gebote stehen.

Wenn man begreift, dass die Existenz der Welt mit der Tora gleichzusetzen ist, so wird man auch auf der Straße oder bei den Geschäften einen Ausspruch unserer Meister seligen Andenkens wiederholen, ein Kapitel Psalmen, einen Abschnitt der Mischna oder aus dem Buche Tanja sagen. Und mit jeder guten Tat, die man bewirkt, führt man dazu, dass sich die Wagschale, mit der die Welt gewogen wird, sich zur Seite des Guten neigt9, d.h. durch das Erkennen und Vertiefen in das „Im Anfang schuf der Herr die Himmel und die Erde“ offenbart die Verbindung der einzelnen Tat mit „den Himmeln, der Erde und all ihren Heerscharen“ – also der gesamten Schöpfung.

4. Die Bedeutung des Ausspruches, dass der Schabbat Bereschit das ganze Jahr beeinflusst10 bedeutet, dass er alle Inhalte umfasst – sowohl auf geistiger, wie auch auf materieller Ebene. Denn zu wissen und anzuerkennen dass „Auf ewig Dein Wort im Himmel steht“, dies bezieht sich nicht nur auf den G“ttesdienst auf spiritueller Ebene, sondern auch gerade darauf, dass man keine materiellen Sorgen haben soll. Denn wenn ein Mensch sich darüber Sorgen macht, dass es ihn an Kindern, Gesundheit und Lebensunterhalt mangelt, so geschieht dies nur, weil er zeitweilig vergessen hat, dass alles von G“tt kommt, wie es im Buche Tanja geschrieben steht11.

Wenn man sich aber ständig daran erinnert, dass alles von G“tt kommt, so wird man sich nicht sorgen, weil man weiß, dass „von Ihm nichts Schlechtes kommt“12, sondern nur Gutes. Und wenn man dies verinnerlicht, so wird man endlich auch mit den eigenen, fleischlichen Augen sehen, dass dies auch ein sichtbares und offenbartes Gutes ist.


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Anmerkungen
1. Sefer ha Ma'amarim 5711, S. 59 (In der Lehre des Baal Schem Tows.).
2. Denn das Wort Schöpfung – heb. Briah –bezeichnet eine Schöpfung aus dem Nichts, Kommentar des Ramban zur Tora, siehe Kommentar zum Vers „Bereschit bara“.
3. Siehe Tanja Teil 2, Kap. 2.
4. Teil II, Kap. 3.
5. Psalm 119:89.
6. Sohar II 175b.
7. Tanja II Ende Kap. 1.
8. Schmot 20:2 (Dwarim 5:6).
9. Kiduschin 40b.
10. Jahr, hebr. Schana, von Schinui – Änderung; daher das ganze Jahr -> alle Änderungen.
11. Iggrot ha Kodesch 11.
12. „aus dem Mund des Höchsten werden die Schlechtigkeiten nicht kommen“ (Eicha 3:33).

Ein Vortrag des Lubawitscher Rebben zum Wochenabschnitt
Aus dem Jiddischen übersetzt von Gershon Pollatschek.

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