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Warum Männer am Purim trinken


Eigentlich sollte ich jetzt über Purim schreiben, aber ich schaffe es einfach nicht. Es übersteigt meinen Horizont. Ich bin ein Mann, und Purim ist Frauensache. Mit der „Frau in mir“ Kontakt aufzunehmen, hilft mir auch nicht weiter. Ich versuchte zwar mit ihr zu sprechen, verstand aber nicht genau was sie mir sagen wollte. So bleibe ich mit dem „Mann in mir“ zurück, der von der ganzen Angelegenheit völlig verwirrt ist.

Die erste Sache, die ich nicht verstehe ist, wie es den Frauen gelang Purim völlig an sich zu reissen. Ich meine, es stimmt, dass Esther, eine Frau, das jüdische Volk rettete, die Geschichte in der Megilla festhielt und sonst den Anlass zum jährlich stattfindenden Feiertag gab. Aber mal ehrlich, hatte Mordechai nicht auch einen Anteil daran? Warum heisst es dann einfach „Megillat Esther“? Ja, ja, ich weiss, Esther hat einen Riesenverdienst an der ganzen Sache. Aber sie hätten es doch wenigstens „Megillat Mordechai und Esther“ nennen können. Oder mindestens „Megillat Esther und Mordechai“. Warum erhält der jüdische Führer und Gelehrte nur eine Nebenrolle?

Also, so wie ich die Geschichte verstehe, war Esther die Drahtzieherin der physischen Ereignisse. Was das Spirituelle anbelangt, war Mordechai die treibende Kraft. Es war Esther, die ihr Leben aufs Spiel setzte als sie sich dem König näherte, ihn dann auf Haman eifersüchtig machte und ihn veranlasste ein neues Dekret zu veröffentlichen, das den Juden das Recht gab, sich gegen sein erstes Dekret zu verteidigen. Aber warum war Esther mit ihrem Vorgehen erfolgreich? Weil Mordechai doch die Juden zu Gebet und Rückkehr anhielt. War nicht dies die eigentliche Ursache dafür, dass die Juden gerettet wurden?

Ich meine, das ist doch das wichtigste im Judentum, sich auf das Spirituelle zu konzentrieren, nicht wahr? Man nehme beispielsweise Chanukka – da haben wir zwar wildes kriegerisches Geraufe, das Stürzen syrischer Kriegselefanten und triumphierende Siege, und dennoch ist es der spirituelle Aspekt, der alles andere verblassen lässt. Das physische Zeug geht beim Feiern nahezu unter.

„Nun“, sagt die Frau in mir, „ihr habt euren Chanukka, und wir haben unseren Purim. Bei Chanukka geht es darum jüdisch zu handeln, bei Purim jüdisch zu sein.“

Aber halt, ist nicht gerade das jüdisch sein? Auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln?

„Das ist, was Antiochus dachte“, sagt die Frau in mir. „Antiochus sagte: ‚Handelst du jüdisch, so werden wir dich alle umbringen. Haltest du den Schabbat oder beschneidest du deine Kinder, so bist du ein Feind des Staates. Benimmst du dich jedoch wie ein Grieche, dann ist alles OK. Sei hellenistischer Jude. Oder von mir aus sogar ein jüdischer Hellenist. Was du lieber willst.’ Haman jedoch scherte sich nicht darum, wie genau dein Judentum aussah. Es genügte jüdisch zu sein um umgebracht zu werden. Es ist nicht das, was du tust, denkst oder glaubst, sondern was du bist.“

Haman? Ist denn jetzt Haman die Autorität wie man jüdisch sein soll?

„Nein“, sagt die Frau in mir, „nicht wie man jüdisch sein soll. Es ist das Jude sein, das wir diese Woche feiern, nicht das Wie.“

Verstehst du das? Also, ich werde die Frauen nie verstehen. Ich glaube, ich trinke lieber noch einen Schluck.

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von Yanki Tauber
Yanki Tauber ist Chefredakteur von Chabad.org und ein erfolgreicher Autor.
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des omek Magazine Chabad/Zurich

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