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Das Schofar


Nach der Toralesung kommt der feierlichste Augenblick: Das Schofar wird geblasen!

Der Baal Toke in seinem Kittel - einer weißen Robe, die Reinheit symbolisiert - bereitet sich auf das Blasen des Schofars vor. Eine Weile herrscht Stille in der überfüllten Schul, und alle sind mit sich selbst beschäftigt, denn dies ist der beste Moment für Selbstprüfung und Reue.

Viele Gedanken huschen uns durch den Kopf. Wir denken an die Bedeutung des Schofars. Gewiss, das Blasen des Schofars ist ein Gebot der Tora wie viele andere Gebote, aber es enthält wichtige Botschaften:

Erstens gleicht der Schofarton dem Ruf des Horns, das Soldaten zur Pflicht ruft. Das Schofar ruft uns zu: „Wacht auf! Wacht auf! Es gibt etwas zu tun! Ihr habt euch von unwichtigen profanen Dingen einlullen lassen und eure spirituellen Bedürfnisse vernachlässigt! Wacht jetzt auf! Gebt eurer Seele auch eine Chance!“

Der Ton des Schofars ist ein Weckruf, wie unser Prophet Amos sagt: „Soll etwa das Schofar in der Stadt erklingen, ohne dass die Menschen zittern?“ Der Klang des Schofars erfüllt uns mit Ehrfurcht, denn er erinnert uns daran, dass dies der Tag des Gerichts ist.

Die unterbrochenen Töne Schewarim und Terua ähneln unterdrückten Seufzern, die ins Herz dringen und es mit Reue über unsere Sünden erfüllen. Tekia Gedola, der letzte Ton des Schofars, ist heiterer, weil er uns an den großen Tag erinnert, an dem der Große Schofar ertönen und unser Volk aus dem Exil holen und sammeln wird, so wie ein Schäfer seine Herde sammelt. Dann werden wir zusammen mit unserem Moschiach ins Land Israel zurückkehren.

Danach denken wir an das Schofar selbst. Es ist ein Widderhorn, und es erinnert uns an den Widder, den Abraham anstelle seines Sohnes opferte. Die Geschichte von Akeda (das Fesseln Izchaks), die wir am zweiten Tag von Rosch Haschana lesen, wird uns wieder voll bewusst. Wir sind stolz darauf, Kinder Abrahams und Izchaks zu sein und etwas von ihrer unerschütterlichen Treue und Hingabe zu G-tt geerbt zu haben. G-tt ist bestimmt nicht sehr zornig auf die Kinder Abrahams und Izchaks, die damals als erste seinen Namen in der Welt verkündeten.

Je mehr wir an unsere großen Ahnen denken, desto stärker fühlen wir uns von ihren großen Taten inspiriert. Wir erkennen, dass wahre Hingabe an unsere Tora und an unseren G-tt auch Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit bedeutet. Wir wissen, dass Tausende, ja Millionen unserer Brüder und Schwestern mutig dem Tod ins Auge schauten, weil sie G-tt treu bleiben wollten wie Abraham und Izchak. Wie weit würden wir gehen?

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