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Das schwierigste Gebot


In dieser Woche schenkt G-tt dem jüdischen Volk die Tora. Die große Offenbarung am Sinai ist das Thema dieser Parascha, und natürlich auch die weltberühmten Zehn Gebote.

Welches Gebot ist Ihrer Meinung nach am schwersten einzuhalten? Vielleicht das Erste, also die Mizwa, an G-tt zu glauben? Unserer Generation fällt der Glaube nicht so leicht wie unseren Großeltern. Kinder mit alternden, kranken Eltern, die man betreuen muss, meinen möglicherweise, das fünfte Gebot – „Ehre Vater und Mutter“ – sei am schwierigsten zu befolgen. Andere meinen, das vierte Gebot – den Schabbat einzuhalten – störe ihr Leben mehr als alle anderen.

Das alles hat einiges für sich. Aber ich entscheide mich für das zehnte und letzte Gebot: „Du sollst nicht begehren deines Freundes Haus noch seine Frau, seinen Diener, seinen Ochsen, seinen Esel noch alles, was dein Freund hat.“ Einfach ausgedrückt: Begehre nicht sein schönes Haus, seine hübsche Frau, seinen Traumjob, seinen tollen Sportwagen oder etwas anderes, was ihm gehört.

Klar, stehlen darf man nicht – aber nicht einmal begehren? Das ist am schwersten. Ist das nicht ein wenig unrealistisch von G-tt? Er hält uns doch wohl nicht für Engel – schließlich hat er uns selbst geschaffen!

Erlauben Sie mir zu tun, was alle guten Juden tun, und die Frage mit einer anderen Frage zu beantworten. Warum beginnt dieses Gebot mit einer Liste von Einzelheiten – Haus, Frau, Diener usw. – und hält es dennoch für notwendig hinzuzufügen: „und alles, was deinem Freund gehört“?

Die Rabbis bieten eine gute Erklärung an: Wir sollen daraus etwas sehr Wichtiges fürs Leben lernen, eine Lektion, die dieses schwierige Gebot viel einfacher macht. Wenn wir mit neidischen Augen über den Zaun des Nachbarn schauen, rät uns die Tora nämlich, nicht nur auf die Details zu achten, sondern das ganze Bild zu sehen.

Die meisten von uns glauben, auf der anderen Seite sei das Gras grüner. Aber wir denken nicht immer an das Gesamtbild. Der Nachbar mag eine große Firma und ein dickes Bankkonto haben. Aber ist er auch gesund? Ist seine Familie gesund? Seine Frau sieht großartig aus, wenn die beiden ausgehen; aber lässt es sich auch mit ihr leben? Und wenn er reich und gesund ist, hat er auch Nachess von seinen Kindern? Hat das überhaupt jemand?

Immer wieder finde ich etwas über einen Menschen heraus, den ich zu kennen glaubte, und werde dadurch an diese Lektion erinnert. Einem Bekannten, der scheinbar ein Glückspilz war, wird plötzlich der Teppich unter den Füßen weggezogen, und schon ist es selbst in Not. Ein anderer, von dem ich nie viel gehalten habe, entpuppt sich als wundervoller Vater, der großartige Kinder heranzieht.

Ein jiddisches Sprichwort sagt mit Recht, jeder habe sein eigenes Pekel zu tragen. Wir alle tragen eine Last durchs Leben, ein Paket voller Probleme, unser kleines Bündel voller Zorres. Wenn wir jung sind, glauben wir, nur „die anderen“ hätten Probleme; doch wenn wir älter werden, merken wir, dass niemand immun ist. Keiner hat nur Glück.

Wenn Sie also irgendetwas von Ihrem Nächsten begehren, sollten Sie eine Minute innehalten und nachdenken, ob Sie wirklich „alles, was dein Freund hat“ haben wollen. Wenn wir mit eigenen Augen sehen könnten, wie das Leben eines anderen hinter verschlossenen Türen aussieht, was er wirklich mit sich herumschleppt, wären wir dankbar für unser Schicksal und würden unser Pekel mit all seinen Problemen gerne tragen.

Es gibt eine bekannte Geschichte über Dorfbewohner, die einen Kreis bildeten und nacheinander ihren Sack öffneten und den anderen ihren kostbarsten Besitz zeigten. Sie gingen um den Kreis aus Säcken herum, und jeder durfte sich etwas aussuchen. Schließlich wählte jeder seinen eigenen Besitz.

Der Allm-chtige gibt uns einen guten Rat: „Seid klug und begreift, dass ihr das ganze Bild sehen müsst.“ Wenn wir das tun, ist dieses schwierige Gebot leichter zu befolgen. Es ist nicht nur eine Sünde, andere zu beneiden, es ist dumm. Denn das Leben ist ein Paket.

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von Yossy Goldman
Rabbi Yossy Goldman entstammt einer bemerkenswerten Brooklyner (New York) Chabad Familie. Im Jahre 1976 wurde er vom Lubawitscher Rebbe als ein Gesandter (Schliach) nach Johannesburg, Südafrika geschickt, um dort die Jüdischen Gemeinden zu unterstützen. Seit 1986 ist er Senior-Rabbiner der Sydenham Highlands North Shul und Präsident der südafrikanischen Rabbinervereinigung.

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Leserkommentare
neueste Kommentare:
Geschrieben: Jan 26, 2008
Dorfbewohner
Ein schöner Artikel! Die Geschichte mit den Dorfbewohnern halte ich für sehr wahr.
Auch ich würde das kostbarste das ich habe - meine Kinder - für nichts auf der Welt eintauschen.
Geschrieben von: Mira, Freiburg, D
via: chabad-baden.de

Geschrieben: Jan 24, 2008
Neid
Der Artikel ist immer wieder wichtig für mich. Ich möchte schon so lange für ein Jahr nach Israel, habe oft schon als Volontärin während des Urlaubs dort gearbeitet. Aber ich kann im Moment nicht so lange weg.
Eine Freundin flog nun nach Israel und bleibt 3 Monate dort ...
Wie habe ich sie beneidet. Aber bei genauem Hinschauen möchte ich nicht mit ihr tauschen. Sie ist ... .
Sie hat ihre Arbeit verloren dadurch, und das Einzige was sie hat ist Geld.
Nein, mit dem "ganzen Paket" möchte ich nicht tauschen. Dann lieber mühselig darauf hinarbeiten, es doch zu schaffen, dorthin zu kommen.

(Anm. vom Editor: Beitrag wurde für die Veröffentlichung gekürzt)
Geschrieben von: Anonym, Dortmund, Deutschland
via: chabadberlin.de

Geschrieben: Jan 20, 2008
Das schwierigste Gebot
Vielen Dank für diesen Artikel. Er hat mir viel gebracht, und mich ein wenig gelassener und auch glücklicher gemacht. Vielen Dank dafür.


Lars
Geschrieben von: Lars Esser, Bünde, Deutschland



 


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