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Wenn G-tt sich dir offenbaren würde, wie würdest du ihn erkennen?



Sie sitzen im Wohnzimmer und meditieren. Plötzlich hören Sie eine Stimme (oder Schwingungen, oder Gedankenwellen?). Sie sagt: „Hallo! Ich bin G-tt. Ich möchte mich dir offenbaren!“

Ist das wahr, oder spielt ein Mitbewohner Ihnen einen Streich? Oder geht Ihre Fantasie mit Ihnen durch? Wie finden Sie das heraus?

Ich möchte gleich zu Beginn klarstellen, dass G-tt sich mir nie offenbart hat, zumindest nicht auf diese Art. Ich bin also keine Autorität, was diese Sache anbelangt. Aber ich kann mich auf die zahlreichen g-ttlichen Offenbarungen berufen, von denen die Tora berichtet, und einige allgemeine Hinweise geben.

1. G-tt meldet sich in der Regel nicht aus heiterem Himmel. Awraham hörte zum ersten Mal von G-tt, als er schon 72 Jahre lang nach der Wahrheit gesucht hatte. Er fand sie, weihte ihr sein Leben und lehrte sie der Welt. Mosche sah G-tt zum ersten Mal im Alter von 80 Jahren – das heißt, nachdem er 80 Jahre lang Mosche gewesen war. Und die größte g-ttliche Offenbarung aller Zeiten (ich war dabei, erinnere mich aber nur noch dunkel daran) ereignete sich auf einem Berg. Dort offenbarte sich G-tt dem ganzen Volk Israel und den Seelen aller künftigen Generationen. Vorher lebten die Patriarchen 220 Jahre lang g-ttesfürchtig, und die Juden mussten 210 Jahre im ägyptischen „Schmelztiegel“ erdulden und sich während der sieben Wochen zwischen Exodus und Sinai einem intensiven spirituellen Läuterungsverfahren in 49 Schritten unterziehen.

Maimonides kommentiert: „Ein Prophet kann nur ein großer Weiser mit vollkommenem Charakter sein, der sich nicht von Begierden überwältigen lässt, sondern sie mit seiner Vernunft besiegt, und der über einen weiten und wahren Intellekt verfügt. Wer alle diese Eigenschaften besitzt, körperlich rein ist, in den Garten des g-ttlichen Weisheit geht ... sich G-tt weiht und sich von den frivolen Massen fernhält ... und dessen Geist immer von oben gelenkt wird und sich auf das G-ttliche konzentriert ... und der nach g-ttlicher Weisheit strebt ... wird den g-ttlichen Geist empfangen“ (Mischne Tora, Gesetze der Grundlagen der Tora 7:1).

Die chassidischen Meister sagen sogar, dass jede g-ttliche Offenbarung doch aus heiterem Himmel kommt – weil sie alle „Vorbereitungen“ transzendiert, die der begrenzte menschliche Geist und das menschliche Herz treffen. Dennoch muss der Empfänger der Offenbarung zuerst sein Potenzial voll verwirklicht haben.

2. Sie werden aufgefordert, etwas zu tun. Wenn G-tt zu Menschen spricht, gibt er ihnen in der Regel eine Aufgabe, wahrscheinlich eine sehr, sehr schwierige Aufgabe. G-tt erschien Awraham und befahl ihm, sein Land, seinen Geburtsort und sein Vaterhaus zu verlassen und das jüdische Volk zu gründen. Diese Aufgabe verlangte von ihm, „auf der einen Seite zu stehen, während die ganze Welt auf der anderen steht“. Mosches Vision am brennenden Busch forderte ihn auf, die Kinder Israel aus Ägypten und durch die Wüste ins Gelobte Land zu führen (Mosche wollte ablehnen, und G-tt brauchte sieben Tage und Nächte, um ihn zu überreden; er bat ihn und er drohte ihm). Den Propheten befahl G-tt, dem Volk sehr unpopuläre Botschaften zu bringen. Das war gefährlich und kostete manchen sogar das Leben. Die Offenbarung am Sinai hatte den Zweck, uns die Tora zu geben – mit ihren 613 Geboten, Tausenden von Nebengeboten und Anweisungen sowie Millionen von Seiten an Kommentaren (es werden täglich mehr).

Eine denkwürdige Ausnahme scheint die g-ttliche Offenbarung zu sein, die Awraham am Anfang von Wajera (Genesis 18:1) empfängt: Die Tora berichtet nur, dass „G-tt sich ihm offenbarte“, ohne den Zweck des Besuchs zu erwähnen. Doch unsere Weisen finden sofort zahlreiche Anweisungen, die wir G-ttes Besuch entnehmen können, von der Pflicht, Kranke zu besuchen (Awraham erholte sich von seiner Beschneidung) bis zur Tugend der Gastfreundschaft (Awraham unterbrach das Gespräch, um drei vorbeiziehenden Beduinen Speise und Rast anzubieten).

In allen Fällen einer g-ttlichen Offenbarung hat der Empfänger offenbar gewusst, dass G-tt bei ihm war. Daraus schließe ich, dass G-tt wahrscheinlich nicht bei Ihnen war, wenn Sie sich dessen nicht sicher sind.


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von Yanki Tauber
Yanki Tauber ist Chefredaktor von chabad.org und ein erfolgreicher Autor.

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Leserkommentare
neueste Kommentare:
Geschrieben: Nov 7, 2009
Gilgul
Ich sass nicht im Wohnzimmer, sondern auf dem Balkon in Israel mit 2 Freundinnen im Jahre 1999.. Die eine sprang plötzlich auf und sagte..neben mir steht Einer .....dann sah sie etwas, was niemand von mir wusste...was ich vor meinen inneren Augen sah...sie sah einen kleinen chassidischen Jungen...wir waren "eingeschlossen wie in einem Magnetfeld" dann kam unser Gilgul. Wir haben die Namen und einen ganze
Fa miliengeschichte.
Seitdem "sehe"" ich vieles, aber es ist schwer zu erklären. Nur G´tt kann es erklären.
Danke dass ich es hier an dieser Stelle in absoluter Kurform schildern konnte. Sara
Geschrieben von: Anonym, Berlin, Deutschland
via: chabadberlin.de

Geschrieben: Nov 6, 2009
Wenn G-TT sich dir offenbahren würde, wie ...
ich erkenne G-tt darin, was uns umgibt, ER hat mir gezeigt, welche Bedeutung " die Wertschätzung" hat und wie schwer es ist, Dinge wert zu schätzen, die einen umgeben und als "selbstverständlich" erscheinen, es aber nicht sind, da ER ja alles aus dem Nichts erschaffen hat. G-tt hat mich zum Judentum geführt und ER zeigt sich mir durch Menschen wie den Rebben und all die Rabbiner und durch Sie, durch Chabbat.org und in dem was ich hier lese. Ich stimme Ihnen absolut in allem zu, was ich hier gelesen habe, bis auf einen Punkt, der Sie selbst betrifft. Ich erlebe IHN in meinen ganz persönlichen Erfahrungen, durch Lektionen und wo ER mich hingeführt hat.
shalom
Geschrieben von: Stephanie Deiters, Viersen, Germany



 


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