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Rabbi Hillel von Paritsch (1795-1864) war einer der vielen Gelehrten seiner Zeit, die sich der chassidischen Bewegung anschlossen. Viele Jahre lang war er ein hingebungsvoller Schüler des zweiten und des dritten Rebbe von Chabad, Rabbi DowBer und Rabbi Menachem Mendel von Lubawitsch.

Als junger Mann hatte Rabbi Hillel von Rabbi Schneur Salman von Ladi, dem Gründer des Chabad-Chassidismus, gehört und wollte ihn treffen. Aber es ging immer etwas schief: Kaum war er in einer Stadt angekommen, die Rabbi Schneur Salman besuchte, sagte man ihm, der Rebbe sei schon abgereist. Schließlich gelang es ihm herauszufinden, wo Rabbi Schneur Salman absteigen sollte – schon vor der Ankunft des Rebbe.

Um diese Chance nicht zu verpassen, schlich sich Rabbi Hillel in das besagte Zimmer und versteckte sich unter dem Bett. Er war fest entschlossen, den großen Rebbe endlich kennen zu lernen, und „bewaffnete“ sich vorsorglich mit einigen Erkenntnissen, die er durch sein Torastudium erworben hatte. Damals studierte er die Abhandlung Erachin, jenen Abschnitt des Talmuds, der erklärt, welchen Wert unsere Gelübde haben, die Wohltätigkeit betreffen. Er hatte eine gelehrte Frage dazu und hatte sie eifrig eingeübt, um sie mit dem Rebbe zu erörtern.

In seinem Versteck hörte er den Rebbe eintreten. Doch bevor er sich rühren konnte, sagte Rabbi Schneur Salman: „Wenn ein junger Mann eine Frage zu Erachin hat, soll er sich mir zeigen!“ Rabbi Hillel fiel unter dem Bett in Ohnmacht, und als er zu sich kam, war der Rebbe fort.

Diese Geschichte erzählte uns der Lubawitscher Rebbe; dann fragte er: Was bedeutet sie für unser Leben? Die Abhandlung erörtert die Gesetze in Kapitel 27 von Leviticus. Wenn jemand gelobt, ein gutes Werk zu tun, aber keine Summe nennt, sondern sagt: „Ich verspreche, den Wert dieses Menschen zu spenden“, muss er einen Betrag zahlen, den die Tora festlegt. Dabei kommt es auf das Alter und Geschlecht des Empfängers an.

Aber welchen Sinn hat eine so allgemeine Bestimmung? Ist ein großer Gelehrten nicht mehr wert als ein einfacher Arbeiter? Die Tora sagt, dass wir vor G–tt alle gleich sind „von euren Oberhäuptern, den Führern der Stämme, den Ältesten ... bis zu euren Holzfällern und Wasserträgern“.

Aber können wir einen Menschen wirklich als „gleich“ akzeptieren, wenn er uns offensichtlich an Talent und Leistungen überlegen ist? Das bedeutet Rabbi Schneur Salmans Bemerkung zu Rabbi Hillel: Wenn du eine Frage zu Erachin hast und wenn es dir schwer fällt zu akzeptieren, wie die Tora den Wert eines Menschen einschätzt, musst du zuerst dich selbst kritisch betrachten. Eine ehrliche Selbstprüfung deines Charakters und Verhaltens wird zeigen, was du von jedem Menschen lernen kannst und inwiefern du jenen nacheifern kannst, die dir vermeintlich „unterlegen“ sind.

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