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Ein ganz gewöhnlicher Jitro


In Jitro, dem Tora-Abschnitt dieser Woche, lesen wir von Mosche, der den Berg Sinai hinaufsteigt. Außerdem lesen wir zum erstenmal die zehn Gebote (sie werden in der Tora zweimal zitiert). Interessant ist, dass dieser Abschnitt nach Mosches Schwiegervater benannt ist, der den jüdischen Glauben erst spät annimmt.

Jitro, der Mosche nicht auf seiner Rettungsmission in Ägypten begleitet hat, schließt sich ihm und den Kindern Israel nun auf dem Weg ins Gelobte Land an. Er freut sich, Mosche wiederzusehen, der den Pharao besiegt hat, und erklärt, G-tt sei „größer als alle anderen Götter“. Zum ersten Mal akzeptiert er also den jüdischen Monotheismus.

Im Rest des Abschnitts geht es um die Übergabe des Gesetzes, um das wohl wichtigste Ereignis in der Tora. Aber warum ist der Abschnitt nach einem Menschen benannt, der in der Bibel kaum vorkommt und nicht zu unseren prominenten Ahnen gehört?

Die Antwort könnte etwas damit zu tun haben, wie Mosche die Gesetzestafeln empfängt. Er muss auf den Berg steigen, fern von der Menge, allein mit seinem G-tt. So wie Noach (der ebenfalls ein Gesetz entgegen nahm: den Bund) vom Berg Ararat herabstieg, muss auch Mosche sich auf einem Berg befinden, um die notwendige Spiritualität zu erlangen.

Das ist außerdem eine Metapher: Wir müssen eine höhere Ebene des Verstehens erreichen, also „hinaufgehen“ (alija), um in Israel zu leben. Eine einfache Idee, die Sie wahrscheinlich schon vermutet haben. Aber was hat dieses „Hinaufgehen“ mit Jitro zu tun? Schließlich steigt Mosche auf den Berg, nicht Jitro. Aber die Gebote waren nicht nur für Mosche bestimmt.

Als unser größter Prophet, derjenige, der G-tt am nächsten war, brauchte Mosche gewiss keine Gebote für sein ohnehin frommes Leben. Er ist also nur der „Postbote“, der das Gesetz den Menschen am Fuße des Sinai überbringt – auch Jitro. Die Leute, die am Monotheismus zweifelten, das goldene Kalb machten und lieber Knechte sein wollten, müssen „hinaufgehen“ zum Glauben, zur Spiritualität, zu einem besseren Leben.

Leider sind wir Jitro ähnlicher als Mosche. Darum hat der Abschnitt einen alltäglichen Namen. Wir müssen uns über die Versuchungen erheben und auf den Berg gehen, in die Aura der Mizwot, in das Verstehen. Dann müssen wir wieder hinabsteigen – und mit den vielen anderen Jitros reden.

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