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Kann ein Mensch auch "gut" sein, ohne religiös zu sein?


Frage?

Ist es besser ein praktizierender Jude zu sein, der z.B. Schabbat hält, koscher isst, aber ein sich seinen Mitmenschen gegenüber sehr unfreundlich benehmender Kumpel ist, - oder ein netter Gefährte, der die Gesetze des Judentums jedoch nicht wirklich beachtet?

Antwort!

Wir alle kennen nicht religiöse Menschen mit angenehmem Charakter und weniger nette Menschen, diplomatisch ausgedrückt, die sonst aber einen superfrommen Eindruck machen. Es scheint, als ob einige Menschen sich auf eine gute Beziehung zu G-tt konzentrieren, und anderen Menschen die Beziehungen zu ihren Mitmenschen wichtiger sind.

Es ist G-tt-sei-dank nicht unsere Aufgabe zu entscheiden, wer wohl besser ist, sondern das können wir Ihm überlassen. Doch wir sind verpflichtet, den richtigen Weg für uns selbst zu wählen. Haben oberflächliche Rituale irgendeine Bedeutung, wenn wir sie ohne Herz ausführen? Sind gute Taten mangelhaft, wenn wir sie aus rein humanistischen und nicht aus religiösen Motiven ausführen?

Aus einer jüdischen Perspektive können wir das eine nicht vom andern trennen. Rituale ohne Emotionen sind leer. Und Güte ohne G-ttlichkeit ist beschränkt.

Führt ein Mensch seinen G-ttesdienst mit korrektem Gebet, streng koscherer Küche, minuziösem Beachten von Schabbat und Festtagen perfekt aus, ist aber zu seinen Mitmenschen unfreundlich, dann leidet seine Religion an einer Funktionsstörung. Wer G-tt wirklich liebt, der liebt auch Seine Kinder! Der G-ttesdienst dieses Menschen ist leer.

Doch gleichsam mangelt es auch jenem so netten und zu uns freundlichen Menschen an einem ausschlaggebenden Element, nämlich an der Seele, die diese Tat unsterblich macht.

Alle jüdischen Rituale sind eigentlich dazu bestimmt, uns auf die Wirklichkeit der Seele aufmerksam zu machen, die uns vereinigt.

Es gibt Menschen, die dadurch trotzdem nicht angenehmer werden. Doch wären sie ohne Tora wahrscheinlich noch viel schlimmer!

Und es gibt "unreligiöse Heilige". Doch ihre guten Taten wären viel tiefgründiger, wären sie sich ihrer so erhabenen Seelen-Ebene noch bewusster, und würden sie die Weisungen der Tora in ihr Alltagsleben integrieren. Ihre strahlende Persönlichkeit könnte die Welt auf diese Weise noch mehr aufheitern.

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von Aron Moss
Rabbiner Aron Moss lehrt Kabbala, Talmud und praktisches Judentum an der „Foundation for Education“ in Sydney, Australien.
Über den Künstler: Sarah Kranz hat Magazine, Webseiten und Bücher (inklusive 5 Kinderbücher) illustriert, seitdem sie 1996 ihren Abschluss beim Istituto Europeo di Design, Milan, erlangte. Zu ihren Kunden zählen The New York Times und das Money Marketing Magazine of London.

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