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Das Nil-Syndrom


Der Prophet Esechiel beschreibt Pharao (bekannt aus Pessach) als "das riesige Krokodil, das in seine Flüssen auf der Lauer liegt und sagt: 'Mein Fluss gehört mir und ich schuf mich selbst...'"

Ich schuf mich selbst? Hört sich lächerlich an, nicht wahr? Irgendwie hatte ich den Eindruck, Pharao wäre ziemlich schlau. Warum würde ein schlauer Typ eine lächerliche Aussage wie "ich schuf mich selbst" machen?

Wir tun dies aber die ganze Zeit. Wir lauern in unseren Flüssen und proklamieren: "Ich schuf mich selbst. Ich erfand mich selbst. Ich definiere mich selbst!"

Wir gehen sogar soweit, dass wir unsere Selbstdefinition als Maßstab für andere verwenden.

Ich definiere Leben - so verkünden wir - für mich selbst und jeden anderen. Wann beginnt das Leben? Wenn ich entscheide, dass es "gewollt" ist. Wann sollte es enden? Wenn ich mich dafür entscheide, dass es nicht "wert" ist, zu leben.

Was ist ein "Produktives" Leben? Ein Leben, das Dinge hervorbringt, von denen ich denke, dass sie wichtig und erstrebenswert sind. Was ist ein "verschwendetes" Leben? Dasselbe, nur umgekehrt.

Was soll ich mit meinem Leben anfangen? Derjenige, der fragt, ist offensichtlich der, der mich erschuf: ich.


"In jeder Generation," sagt der Talmud - "und jeden einzelnen Tag," fügt das Buch Tanja hinzu - "sollte man sich selbst betrachten, als wäre man aus Ägypten herausgekommen".

Wir warfen Pharao vor mehr als 3000 Jahren ins Rote Meer, aber wir schleppen ihn immer noch überall mit uns herum. Denn wir alle enthalten unseren eigenen Pharao. Wir lauern in unseren Flüssen und verkünden: "Mein Fluss gehört mir. Ich schuf mich selbst!"

Uns selbst vom Pharao zu befreien, ist unsere tägliche Herausforderung. Nicht, weil wir gestern versagten, sondern weil wir Erfolg hatten. Gestern befreiten wir uns von der Angeberei unseres Egos. Was also das gestrige subtile Ego war ist das angebende Ego unseres heutigen veredelten Selbst.

Alle heutigen Herausforderungen entspringen letztlich dem Nil-Syndrom, dem Ruf des Egos nach "mein Fluss gehört mir und ich schuf mich selbst". Und alle Belohnungen des Lebens sind nichts als Variationen des täglichen Exodus, in dem wir eine höhere Stufe auf der lebenslangen Reise aus Ägypten heraus erklimmen.

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von Yanki Tauber
Yanki Tauber ist Chefredakteur von Chabad.org und ein erfolgreicher Autor.
Concept by Bentzi Sudak
Über den Künstler: Sarah Kranz hat Magazine, Webseiten und Bücher (inklusive 5 Kinderbücher) illustriert, seitdem sie 1996 ihren Abschluss beim Istituto Europeo di Design, Milan, erlangte. Zu ihren Kunden zählen The New York Times und das Money Marketing Magazine of London.

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Leserkommentare
neueste Kommentare:
Geschrieben: Feb 5, 2012
Das Nil-Syndrom von Yanki Tauber
Zu dem Satz: "Wir warfen Pharao vor mehr als 3000 Jahren ins Rote Meer" sei mir gestattet, zwei Bemerkungen zu machen:
1. Das "Wir" ist nicht ganz richtig. Es war keine menschliche Leistung, sondern (wie es im Psalm heisst): "Dein Arm war es und Dein leuchtendes Angesicht".
2. Die Bezeichnung "Rotes Meer" suggeriert den heutigen Menschen (und besonders dem "fünften" Sohn), dass das ganze Geschehen vor so langer Zeit in irgendeinem entfernten Land bei irgendwelchen Nomaden sich abgespielt hat, was für mich gar keine Bedeutung mehr hat.
Es ist absolut keine geografische Angabe.
Im Gegenteil, es ist das "Meer des Endes", "jam suf", die Grenze des Übergangs vom Leben zum Tod.
Geschrieben von: Dr. Michael Barthel, Nendeln, Fürstentum Liechtenstein



 


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