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Charakterstärke


Können wir unser Leben ändern, oder sind wir nur Produkte unserer Umwelt? Immerhin unterliegen wir vielen Einflüssen unterschiedlicher Art. Beteiligt sind Schulkameraden, die Massenmedien, Bücher, Kunst und sogar Architektur. Sie alle können unser Bewusstsein verändern. Darum zweifeln manche Soziologen daran, dass wir unabhängig sein können.

Aber die Parascha1 dieser Woche berichtet von einer unabhängigen Frau, die G-ttes Willen erfüllte und sich von anderen nicht davon abhalten ließ. Es geht um Riwka, die Witwe Jizchaks, eine der vier berühmten Urmütter des jüdischen Volkes.

Sie begegnete uns schon in der Parascha der vorigen Woche, wo sie bereit war, ihre Heimat zu verlassen und weit zu reisen, um Jizchaks Frau zu werden. Das war mehr als jugendliche Abenteuerlust. Riwkas Umfeld war heidnisch. Alle um sie herum, auch ihre Familie und die Gesellschaft, in der sie lebte, glaubten an Götzen und Naturgeister und verehrten sie oft auf schreckliche Weise. Ihr Großonkel Awraham war bekannt dafür, dass er Götzendienst ablehnte und an einen einzigen G–tt glaubte. Aber er war weit weg in Kanaan.

Dennoch blieb Riwka standhaft. Raschi weist darauf hin, dass sie trotz ihrer Umgebung ihre eigene Lebenseinstellung beibehielt: „Obwohl sie die Tochter eines Sünders und die Schwester eines Sünders war und in einer Stadt voller Sünder lebte, nahm sie sich daran kein Beispiel.“

Als Awrahams Diener eine Frau für Jizchak suchte, ergriff sie die Gelegenheit, sich der berühmten monotheistischen Familie anzuschließen. Obwohl ihre Eltern zögerten, wollte sie unbedingt gehen.

Die Parascha dieser Woche behandelt einen anderen Aspekt ihrer Unabhängigkeit. Wir erfahren, dass sie viele Jahre kinderlos blieb, eine schmerzhafte Schwangerschaft durchmachte und zwei völlig gegensätzliche Söhne gebar: Jaakow und Eisaw.

Riwka liebte ihren Mann Jizchak sehr, aber ihr wurde auch eine g-ttliche Prophezeiung über die Zukunft ihrer Kinder zuteil2. Deshalb und weil sie eine praktisch denkende Frau war, wollte sie, dass nicht Eisaw, sondern Jaakow den väterlichen Segen empfangen sollte. Und sie erreichte ihr Ziel.

Eine der Lehren aus dieser Parascha betrifft Charakterstärke. Riwka trat für ihre Überzeugung ein, ohne Rücksicht auf ihr Wohlergehen. Ihr ist es zu verdanken, dass aus Jaakows Kindern und Nachkommen das jüdische Volk wurde.

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Anmerkungen
1. Genesis 25:19-28:9.
2. Genesis 25:23.

von Tali Loewenthal
Rabbi Dr. Tali Loewenthal ist Lektor in Jewish Spirituality am University College London, Direktor der Chabad-Forschungsabteilung, Autor von "Communicating the Infinite: The Emergence of the Habad School" und schreibt regelmäßig Beiträge zur Chabad.org wöchentlichen Toralesung.

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