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Achte auf das Gleichgewicht


Bei der großen Offenbarung kam Moses mit den Steintafeln, auf denen die Zehn Gebote standen, vom Berg Sinai herab. Wie uns allen bekannt ist, waren die zwei Tafeln in zwei Kolumnen unterteilt: Die Mizwot betreffend die Beziehung zwischen Mensch und G-tt und die Mizwot betreffend die zwischenmenschlichen Beziehungen. Die eine Seite beschäftigte sich mit unseren Verantwortungen gegenüber G-tt, wie Glauben und Schabbat, während die andere Seite sich auf die zwischenmenschlichen Verpflichtungen, wie nicht morden, stehlen, betrügen, bezieht.

Die Bedeutung, die oft vergessen wird, ist, dass beide Seiten heilig sind, beide kommen direkt von G-tt und beide zusammen bilden den Kern der Toragesetze, und dessen, was es bedeutet Jude zu sein. Wir müssen ausgeglichene Menschen sein. Wir können es uns nicht leisten, eine Seite der Tafeln mehr zu beachten als die andere. Ein gesunder, ausgeglichener Mensch lebt ein entsprechend ausgeglichenes Leben und ist, wie man auf Jiddisch sagt: "Gut zu G-tt un gut zu Leit" - gut zu G-tt und gut zu den Menschen. Wenn man sich auf eine Seite konzentriert und die andere außer Acht lässt, wird man zu einem hinkenden Menschen.

Ein guter Jude ist ein ausgeglichener Jude. Das bedeutet, es ist nicht genug, streng religiös die rituelle Seite des Judentums zu achten und die Menschlichkeit links liegen zu lassen. Man muss ehrlich und anständig sein, Integrität zeigen, um sich den Respekt der Mitmenschen zu verdienen. Wenn man "religiös" in seiner Beziehung zu G-tt ist, aber unfair zu den Mitmenschen, kann man leicht zum fanatischen Fundamentalist werden, der Menschen im Namen G-ttes in die Luft jagt! Derselbe G-tt, der uns zur G-ttlichkeit motiviert und inspiriert, der uns den religiösen Kodex befolgen lässt, verlangt auch von uns ein "Mensch" zu sein. Es besteht kein Zweifel, dass es eine Mizwa ist, ein "Mensch" zu sein.

Wir können aber auch die andere Seite der Tafeln nicht außer Acht lassen. Ein guter Jude kann nicht einfach menschenfreundlich oder ein Demokrat sein. Warum sollte G-tt sonst die Juden überhaupt benötigen? Es genügt nicht, als Jude ein netter Kerl zu sein. Alle müssen nett sein. Es wird von der gesamten Menschheit erwartet, dass sie sich ehrlich und ehrenhaft verhält. Es ist die Pflicht eines jeden Menschen sich gut, moralisch und ethisch korrekt zu verhalten. Ein guter Jude muss sich so und noch besser verhalten. Er oder Sie muss ein guter Mensch sein und noch dazu die spezifisch jüdischen Verantwortungen übernehmen, die Mizwot, die sich an die Juden wenden.

Unlängst kam mir eine Statistik über die Zehn Gebote in die Hände. Die rechte Seite der Tafeln, die die Pflichten gegenüber G-tt enthält, besteht aus 146 Worten, die linke Seite, die die Pflichten gegenüber anderen Menschen enthält, 26 Worte. Laut der Überlieferung waren beide Tafeln vollgeschrieben; es gab keine Leerstellen. Wie können 26 Worte den gleichen Platz beanspruchen wie 146?

Nun, jeder der am Computer arbeitet, kennt die Antwort. Man verändert einfach den Schriftgrad. Man kann in Größe 10 oder Größe 24 schreiben. Man hat die Wahl. Wenn wir dieses Prinzip auf die Schrift auf den Tafeln anwenden, gibt es eine einfache Antwort. Die 26 Worte auf der linken Seite, die sich mit den moralischen und ethischen Verpflichtungen befassen, waren einfach größer als die 146 Worte auf der rechten Seite, die sich mit den Verpflichtungen gegenüber G-tt befassen. Wir dürfen also nie die Wichtigkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen in den Zehn Geboten unterschätzen.

Um uns nicht zum Hinken zu bringen, sagt derselbe G-tt, der uns befohlen hat nett zu sein, auch, dass wir an Ihn glauben sollen, den Schabbat einhalten sollen (ja, auch eines der Großen Zehn), koscher essen sollen, in die Mikwe gehen sollen und so weiter. Wenn also Leute zu mir sagen: "Rabbi, ich bin nicht religiös, aber ich halte die Zehn Gebote", wundere ich mich oft, ob ihnen bewusst ist, dass Schabbat das vierte Gebot ist.

Wenn wir also die Zehn Gebote lesen, lasst uns entschließen, unsere jüdische Ausgeglichenheit zu bewahren, nicht zu hinken oder "einarmige Banditen" zu werden. Bitte Lieber G-tt, lass uns ein erfülltes, gesundes, reiches und ausgeglichenes jüdisches Leben leben. Amen.

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von Yossy Goldman
Rabbi Yossy Goldman entstammt einer bemerkenswerten Brooklyner (New York) Chabad Familie. Im Jahre 1976 wurde er vom Lubawitscher Rebbe als ein Gesandter (Schliach) nach Johannesburg, Südafrika geschickt, um dort die Jüdischen Gemeinden zu unterstützen. Seit 1986 ist er Senior-Rabbiner der Sydenham Highlands North Shul und Präsident der südafrikanischen Rabbinervereinigung.

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